Neue Welt System

Wir brauchen ein Neue Welt System (NWS)
Von Helmut Creutz

Es muss gerecht und zukunftsfähig sein!

Das heutige Steuersystem ist dreifach problembelastet:
- Es ist zu kompliziert und unübersichtlich.
- Es ist in vieler Hinsicht unsozial und ungerecht.
- Es ist in bedrohlicher Weise unökologisch.

Die Unübersichtlichkeit ist so gross, dass selbst Finanz- und Steuerexperten das Dickicht der Gesetze und Bestimmungen nicht mehr durchschauen.

Die Ungerechtigkeit ist so gross, dass man die Steuerabgaben der Lohnabhängigen halbieren könnte, kämen alle anderen ihren Verpflichtungen korrekt nach.

Die unökologischen Effekte sind so gross, dass die heutigen Steuern in vieler Hinsicht geradezu zu Umwelt schädigendem Verhalten verleiten.

Aus diesen Negativeigenschaften ergeben sich für ein neues Steuersystem folgende Forderungen:
- Es muss einfach und für jeden verständlich sein
- Es muss demokratische und gerechte Strukturen fördern
- Es muss zur Umwelt-, Lebens- und Zukunftssicherung beitragen.

Vom heutigen Steuersystem unterscheidet er sich durch den Ersatz der bisherigen Lohn- und Einkommen- steuern durch ein Spektrum verschiedener Verbrauchsteuern.

ENTWICKLUNG EINER ALTERNATIVE
Was müsste grundsätzlich geändert werden?

Die Bemessungsgrundlagen für die aufkommenshöchsten Steuern sind bislang Leistung und Umsatz, Verdienst und Gewinn. Im Hinblick auf die genannten ökologischen Folgen unseres Wirtschaftens dürften nicht die leistungsbezogenen Grössen die Basis der Besteuerung sein, sondern jene Produktions- und Verhaltensweisen, die mit ihren Wirkungen die Grundlagen des Lebens und Überlebens beein-trächtigen. Nicht das Verdienen, sondern das Verbrauchen muss verstärkt die Ausgangsgrösse der Besteuerung werden, nicht die Einnahmen, sondern die Ausgaben! Dazu sind die heutigen einkommensbezogenen Steuern nach und nach durch verbrauchsbezogene Steuern zu ersetzen, damit wir von Verbrauchern wieder zu Gebrauchern der natürlichen Ressourcen werden.
Was ist weiter zu beachten?

Ausgangspunkt für ein anderes Steuersystem sollte als Erstes das gleiche Zugangs- und Nutzungsrecht aller Menschen an den von der Natur vorgegebenen Lebensgrundlagen sein. Das gilt für Luft, Licht, Wasser und den unvermehrbaren Boden und alle in ihm enthaltenen Vorkommen. Jede Benutzung, jede Beeinträchtigung und noch mehr jeder Verbrauch dieser Lebensgrundlagen ist mit Abgaben zu belegen. Ein zweiter wichtiger Ausgangspunkt eines neuen Steuersystems ist die Beachtung des vollen Eigentumsrechtes jedes Menschen an den Ergebnissen seiner Arbeit. Konkret: Die Unterbindung der Möglichkeit, sich ohne eigene Arbeit Teile der Arbeitsergebnisse anderer anzueignen.

Welche neuen Steuerarten wären dazu geeignet?

Neben den heutigen Umsatzsteuern (z. B. Mehrwertsteuer), die mit ihren festen Sätzen weiter eine Grundlage der Staatseinnahmen bilden, könnten folgende Steuern bzw. Abgaben an die Stelle der Einkommensteuern treten:
1. Rohstoff- und Energiesteuer
2. Bodennutzungssteuer
3. Wassernutzungs- und -verschmutzungssteuer
4. Luftbelastungssteuer
5. Gesundheitssteuer
6. Verkehrssteuer
7. Geldnutzungssteuer

Diese Steuern sollten an der Stelle erhoben werden, an der die Verbrauchs-, Produktions- oder Nutzungsketten beginnen, also dort, wo die entscheidenden Weichen aller nachfolgenden Entwicklungen und Verhaltensweisen gestellt werden.

Da die neuen Steuern auf mess- oder zählbare Mengen bezogen sind, lassen sie sich ebenso leicht ermitteln und erfassen wie z.B. die heutigen Mineralölsteuern. Da sich diese Steuern über alle Produktions- und Handelsstufen akkumulieren und am Ende in den Verbraucherpreisen zu Buche schlagen, würden sie Verhalten und Lebensgewohnheiten der Menschen entsprechend beeinflussen.

Neben der Sicherung von Umwelt, Leben und Zukunft hat ein solches verbrauchsbezogenes Steuersystem noch folgende grundlegende Vorteile:
- Es ist einfach, logisch und verständlich und mit einem Bruchteil des heutigen Verwaltungsaufwands abzuwickeln.
- Es entlastet Bürger, Arbeitnehmer, Selbständige und Unternehmer von einem Wust von Arbeit, Massahmen und Kosten, die mit dem heutigen Steuereinzug verbunden sind.
- Es reduziert die meisten Ungerechtigkeiten und Missbrauchsmöglichkeiten und die Möglichkeit, leistungslose Einkommen auf Kosten anderer zu beziehen.
- Es vergrössert die Freiheit, Selbständigkeit und Mitverantwortlichkeit jedes Bürgers, ob Verbraucher der Produzent.

DIE NEUEN STEUERARTEN IM DETAIL
1. Die Rohstoff- und Energiesteuer

Die Rohstoff- und Energiesteuer ist eine primäre Schutzsteuer für Umwelt und Ressourcen. Ihre Höhe sollte von den Mengen der Vorkommen und ihrer Bedeutung für uns und kommende Generationen bestimmt sein. Neben der Verbrauchsreduzierung und einem schonenden Umgang sollen diese Steuern die Mehrfachverwendung der Stoffe und Entwicklungen sparsamerer Fertigungsmethoden anregen.

Gleichzeitig wird die Wegwerfmentalität der Verbraucher reduziert, die Herstellung langlebiger Produkte gefördert und deren Reparatur wieder wirtschaftlich. Dabei wirken sich sinkende Arbeitskosten aufgrund der entfallenden Lohnsteuer besonders günstig aus. Bei allem bleibt der Wettbewerb auf den Märkten erhalten. Sieht man von Verboten in Einzelfällen, z.B. Umwelt- und Gesundheitsgifte ab, sind neben der Besteuerung der Rohstoffe und des Energieverbrauchs kaum weitere staatliche Lenkungs- oder Planungseingriffe erforderlich.

Die Verrechnung und Einziehung dieser Steuern würde zu einem wesentlichen Teil bereits bei der Rohstoffgewinnung und -förderung erfolgen, aber auch den einzelnen Fertigungs-, Vertriebs- und Verbrauchsstufen Anregungen zu alternativem Handeln geben.

2. Die Bodennutzungssteuer

Neben dem Abbau der Boden-Rohstoffe, ist die Nutzung seiner Oberfläche eine grundlegende Voraussetzung menschlichen Lebens.

Diese uns zur Verfügung stehende Bodenoberfläche ist begrenzt und unvermehrbar wie die Rohstoffe und wie Luft, Licht und Wasser. Daher ist es erforderlich, die seit dem Mittelalter bei uns üblich gewordenen privaten Boden-Eigentumsrechte nach und nach wieder in private Nutzungsrechte umzuwandeln. Dieser Prozess ist durch Ausschöpfung öffentlicher Vorkaufsrechte einzuleiten, vor allem aber durch Einführung einer Bodensteuer, mit der die heutigen leistungslosen Einkünfte aus dem Bodenbesitz (Bodenrente) wie auch die knappheitsbedingten Wertsteigerungen abgeschöpft werden. Die Bodensteuer tritt an die Stelle der heutigen Grundsteuer und ist ebenso leicht einzuziehen. Allerdings werden Gebäude aus der Besteuerung herausgenommen und der Boden auch dann in Höhe der möglichen Bodenrente belastet, wenn er noch nicht bebaut ist.

Damit werden Grundstückspekulationen weitgehend verhindert, Baulücken verringert und ein Druck auf die Grundstückspreise ausgeübt. Soweit von der Gemeinschaft zurück erworben, werden alle Bodenflächen zur langfristigen privaten Nutzung abgegeben. Solche Pachtvergaben und Baurechte gibt es in verschiedenen Ländern, z.B. in Israel, partiell auch bei uns, z.B. bei der Überlassung kirchlichen Bodeneigentums für Bauzwecke, bei Boden im Besitz von Stiftungen. In der Stadt Wolfsburg sind sogar fast alle Gebäude auf öffentlichem Boden errichtet. Die Höhe der Bodennutzungssteuer ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Der Nutzungszweck ist durch öffentliche Planungen vorgegeben und berücksichtigt die Interessen der Allgemeinheit.

3. Die Wassernutzungs- und -Verschmutzungssteuer

Auch das Lebensgut Wasser ist nur begrenzt vorhanden. Seine Verschwendung hat Ausmasse erreicht, durch die es morgen noch knapper werden könnte als Erdöl oder andere Ressourcen. Durch die Zunahme der Bevölkerung verstärkt, zeichnen sich in einigen Regionen bereits politische Spannungen um Wasserrechte ab. Mit dieser zunehmenden Knappheit wird aber auch das Wasser immer mehr zu einem Spekulationsobjekt, in das die wachsenden Geldvermögen zur Kapitalanlage drängen. Deshalb dürfen Wassernutzungsrechte - wenn überhaupt - nur analog zu den Bodennutzungsrechten mit einer Steuerbelastung abgegeben werden.

An der bisherigen Berechnung der Nutzungskosten würde sich nur ändern, dass die Gebühren knappheitsentsprechend gestaffelt und mit steigendem Verbrauch progressiv angehoben werden. Das gilt auch für Abwasser-Abgabengebühren, da es nicht nur um die Säuberung des Wassers geht, sondern noch mehr darum, es möglichst gar nicht zu verschmutzen.

Mit einer solchen Verschmutzungssteuer sind alle Produkte zu belasten, die erst bei der späteren Benutzung durch den Käufer Beeinträchtigungen des Wassers auslösen. Das gilt z.B. für bestimmte Zutaten in Waschmitteln oder andere Stoffe, mit denen das Wasser und dessen Wiederaufbereitung belastet werden. Der Einzug dieser Steuern für Trink-, Nutz- und Abwasser kann ohne grossen Mehraufwand über die Versorgungsunternehmen erfolgen.

4. Die Luftbelastungssteuer

Analog zu den wasserbezogenen Steuern soll diese Steuer überall dort erhoben werden, wo Luft durch technische Einrichtungen und/oder wirtschaftliche Vorgänge verbraucht oder belastet wird. Dies gilt für die Produktionsvorgänge wie die nachträgliche Nutzung der Produkte. Der Produzent soll als Verursacher zur Kasse gebeten werden, auch wenn der Käufer die eigentliche Belastung erst auslöst. Auch Verbrauchs- und Verhaltensweisen, die mit Luftbelastungen verbunden sind, können mit dieser Steuer verbunden werden, z.B. Nutzung von Verbrennungsmotoren und Energieverbrauch. Belastungen des Verbrauchs sollen die Benutzer zur Veränderung ihres Verhaltens und die Produzenten zur Entwicklung anderer Herstellungsmethoden und Produkte bewegen, aber auch den Einsatz alternativer Energien fördern.

5. Die Gesundheitssteuer

Diese Steuer soll auf Produzenten Druck ausüben, die mit gesundheitsbelastenden Methoden arbeiten. Sie soll zum Einsatz kommen, wo die Nutzung bzw. der Verbrauch der Produkte Schäden für die Gesundheit auslöst Dies gilt z.B. für lärmerzeugende Produkte, für Farbstoffe und andere Chemikalien, auch für Nahrungs- und Genussmittel, wie denaturierte Lebensmittel, Alkohol, Tabak, Zucker usw.

Selbstverständlich hat jedermann mit dem Verfügungsrecht über seine eigene Person auch das Recht, seine Gesundheit ggfs. durch falsche Verhaltensweisen zu beeinträchtigen; aber nicht auf Kosten anderer. Wie heute bei Tabakwaren, müsste auch bei anderen gesundheitsgefährdenden Produkten auf die möglichen Folgen hingewiesen und die möglichen Folgekosten durch entsprechende Preisaufschläge ausgeglichen werden. (z.B. bei Zigaretten durcheinen ´Lungenkrebspfennig´ und bei jedem Glas Bier durch einen "Leberkrebsgroschen").

Aus diesem Steueraufkommen erhalten dann alle Kranken- und Rentenkassen, gestaffelt nach ihren Mitgliederzahlen, entsprechende Rückerstattungen. Die allgemeinen Krankenkassenbeträge könnten dann entsprechend abgesenkt werden.

6. Die Verkehrssteuer

Der heutige Verkehr, ist über Lärm-, Luft- und Ressourcenbelastungen mit erheblichen Kosten für die Öffentlichkeit verbunden ist. Dies gilt, neben dem Bodenbedarf, hauptsächlich für den Bau der Verkehrswege, ihre Instandhaltung, die verkehrsbezogenen Personalkosten und Unfallfolgen. Bei allen motorisierten Verkehrsarten, sowohl im Strassen- wie im Luftverkehr, könnten diese Kosten am einfachsten über den Treibstoffpreis eingezogen werden, zusammengefasst mit der heutigen Mineralöl- und Kfz-Steuer. Dieser Weg wäre zweifellos der gerechteste, weil die Menge des verbrauchten Kraftstoffes in einem realen Bezug zur Benutzung, Beanspruchung und Belastung der Verkehrseinrichtungen steht.

Besonders wichtig ist das bei dem ökologisch problematischen Flugverkehr, der heute sogar von der Mineralölsteuer befreit und damit auf Kosten auch jener Bürger entlastet wird, die dieses Verkehrsmittel nicht benutzen bzw. sogar unter seinen Folgen leiden. Auch der ruhende Strassenverkehr in den Städten sollte über die heute schon üblichen Parkgebühren, Parkplaketten usw. so belastet werden, dass die Inanspruchnahme öffentlichen Bodens genauso teuer ist wie die Nutzung privater Parkflächen bzw. Einstellplätze. Durch Anhebung oder Senkung der vorgeschlagenen Verkehrssteuern könnten ausserdem, falls das im Interesse der Allgemeinheit liegt, bestimmte Verkehrsarten eingeschränkt bzw. gefördert werden.

7. Die Geldnutzungssteuer

Weil Geld ein von Menschen geschaffenes Hilfsmittel ist, wird diese Steuer vielleicht manchen überraschen. Es gibt aber eine Reihe von Eigenschaften und Kriterien, die das Geld mit den übrigen wichtigen Lebensgrundlagen gleichsetzen oder vergleichbar machen:
- Wie Boden, Luft, Wasser und Naturschätze ist auch Geld ein begrenzt vorhandenes Gemeinschaftsgut, zumindest wenn es seinen Zweck erfüllen soll.
- Wie die vorgenannten Güter muss auch Geld für jeden Menschen unter gleichen Voraussetzungen zugänglich und benutzbar sein.
- Wie die anderen Lebensgrundlagen darf auch Geld nicht von Einzelnen als Eigentum beansprucht, blockiert oder spekulativ missbraucht werden.

Zweifellos ist der mit dem Geld dokumentierte Anspruch auf eine Gegenleistung, in Höhe der dafür eingebrachten eigenen Vorleistung, als Privateigentum zu sehen, nicht aber das dabei benutzte weitergebbare Dokument, des Geldscheins. Als unverzichtbares Hilfsmittel für den Gütertausch, vom Staat den Bürgern zur Verfügung gestellt, darf Geld darum - wie andere öffentliche Einrichtungen - der allgemeinen Nutzung nicht entzogen werden. Es darf auch nicht zu einer Ware gemacht werden, mit der einige -auf Kosten anderer und dazu noch ohne eigene LeistungGewinne machen oder spekulieren können.

Geld ist auch ein Wert- und Vergleichsmassstab für alle Leistungen und Güter. Um diesem Zweck zu dienen und Nachteile für die Benutzer zu vermeiden, muss es darum - wie Längen-, Raum- und Gewichtsmasse - einen bleibenden Wert verkörpern. Deshalb muss das Verhältnis zwischen Geldmenge und Leistungsmenge, bzw. zwischen Nachfrage und Angebot in der Volkswirtschaft, in einem stabilen Verhältnis zueinander gehalten werden. Denn ein Zuviel an Geld löst Inflationen aus und ein Zuwenig die noch gefährlicheren deflationären Rezessionen, die sich schnell zu schweren Wirtschaftskrisen mit hoher Arbeitslosigkeit entwickeln können.

Diese für die Kaufkraftstabilität notwendige Mengensteuerung des Geldes ist jedoch nur möglich, wenn das staatlich zur Verfügung gestellte Tauschmittel Geld in der Wirtschaft gleichmässig kursiert. Um das zu erreichen, muss der zeitweise Entzug von Geld aus dem Wirtschaftskreislauf und vor allem jede spekulative Geldverknappung verhindert werden. wie eine zeitweise Überversorgung der Wirtschaft mit Geld.

Heute wird der Geldumlauf vor allem durch die Zinsbelohnung gesichert. Das heisst, der Zins ist -wie von dem englischen Volkswirt Keynes treffend gekennzeichnet- 'eine Belohnung für die Nichthortung von Geld'. Es entspricht einem auf den Kopf gestellten Rechtsverständnis, gemeinschaftsschädigendes Verhalten durch eine Belohnung zu verhindern. Vielmehr muss die Blockade von Geld, wie bei anderen öffentlichen Einrichtungen üblich, durch eine Androhung von Kosten unterbunden werden.

Das heisst, das Blockieren von Geld, mit dem man andere an dessen Nutzung hindert, ist ähnlich zu ahnden, wie es bei der Bahn durch das Standgeld für Waggons geschieht, oder im Strassenverkehr durch Strafmandate für die Blockierung von Fahrbahnen.

Die Geldnutzungssteuer ist das Mittel, um solche Blockaden beim Geld zu verhindern. Sie bezieht sich nur auf die gehaltenen liquiden Nachfragemittel in Form von Bar und Giralgeld. Alle Geldguthaben aus den Überlassungen von Geld an Banken oder Dritte, also auch alle Sparguthaben, sind selbstverständlich davon ausgenommen, da mit dieser leihweisen Weitergabe ja der Geldkreislauf geschlossen wird.

Da sich aufgrund dieser Geldsteuer der Geldumlauf verstetigt und sich die Geldmenge weitgehend automatisch auf den notwendigen Umfang reduziert, kann durch die Notenbanken das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage und damit auch die Kaufkraftstabilität des Geldes gewährleistet werden. Die Geldsteuer ist eine Nutzungsabgabe, die man dafür zahlt, dass man die öffentliche Einrichtung Geld in Anspruch nimmt. Denn die Produktion und Bereitstellung dieses vom Staat zu unserem Nutzen zur Verfügung gestellten Geldes ist ebenso mit Kosten verbunden wie die Verteilung und Missbrauchsüberwachung. Die heutige Kostenumlage über Zinsen, welche die Banken für das in Umlauf gegebene Bargeld zahlen müssen, führt dagegen zu einer Belastung der Kreditnehmer, die in den meisten Fällen gar kein Bargeld in Anspruch nehmen.

Der Einzug dieser Steuer kann beim Bargeld durch Umtauschabschlag einzelner Noten oder Serien zu bestimmten oder unbestimmten Zeitpunkten vorgenommen werden. Noch einfacher wäre die Integrierung von Magnetstreifen in die Geldscheine, die im Umfeld der US-Notenbank bereits andiskutiert worden ist. Beim Giralgeld kann die Kontrolle der Haltedauer und Abbuchung der Steuer auf die gleiche automatische Weise erfolgen, wie das jetzt schon bei den Überziehungszinsen üblich ist. Und bei Geldkarten liesse sich der Einzug der Geldsteuer durch zeitbezogene Einprogrammierungen in den Chip ermöglichen.

AUSWIRKUNGEN EINES SOLCHEN STEUERSYSTEMS
Die allgemeinen Auswirkungen

Bei der Boden-, Wasser-, Luft- und Rohstoffsteuer liegen die Auswirkungen klar auf der Hand: sorgfältigerer und sparsamerer Umgang mit allen Ressourcen, Anreiz zur Entwicklung energie- und rohstoffsparender und damit umweltschonender Alternativen, sowohl bezogen auf den Gebrauch wie den Verbrauch dieser unvermehrbaren Lebensgrundlagen. Zur Verkehrs- und Gesundheitssteuer dürften sich ebenfalls weitere Erklärungen erübrigen.

Mit der Einführung der Bodennutzungssteuer werden die bisherigen leistungslosen Zins- und Wertsteigerungsgewinne der Bodeneigentümer abgeschöpft. Da der Boden ein Gemeinschaftsgut aller Menschen ist, sollten die Einnahmen aus dieser Steuer nicht dem Staat, sondern auch den Menschen direkt wieder nach einem Schlüssel zufliessen, der sie alle zu gleichberechtigten Besitzern macht.

Möglich wäre diese Rückverteilung der bodenbezogenen Steuern als eine lebenslange Rente, noch optimaler eine konzentrierte Zuwendung während der Jugendzeit jedes Menschen. Ob als Kinder- oder Erziehungsgeld bezeichnet, würde damit endlich ein Schritt zu einem wirklichen Lastenausgleich getan, mit dem der soziale Abstieg von Familien und Partnerschaften mit Kindern oder Alleinerziehender, der heute mit jedem Kind verbunden ist, vermieden werden und zwar ohne Belastung der allgemeinen Steuereinnahmen. Berechnungen ergeben, dass in Deutschland bei einer vollen Abschöpfung der heute in private Taschen fliessenden Bodenrenten und Wertzugewinne, jährlich ein Betrag von etwa 200 Mrd. DM zur Verfügung stehen würde.

Verteilt auf ca. 20 Millionen Kinder und Jugendliche, ergäbe das einen Jahresbetrag von 10.000 DM und damit einem Monatsgeld von gut 800 DM. Dieser Betrag entspräche etwa dem Lebenskosten-Mehraufwand, der Eltern mit jedem Kind entsteht. Da heute viele Menschen nur wegen der hohen Bodenpreise aus den Städten weit nach draussen ziehen, könnte durch eine solche Bodennutzungsregelung ausserdem die Zersiedlung des Landes mit der daraus resultierenden Verkehrslast verringert werden. Es würde in Gemeinden kaum brachliegende oder nur teilbebaute Flächen geben, da die Bodensteuer unabhängig von der Bebauung auf den Lage- und Nutzungswert des Bodens erhoben wird. Die Kommunen könnten Gemeinschaftseinrichtungen an den optimalsten Stellen errichten. Sie brauchen nicht in billige Randgebiete abwandern und damit das Verkehrsaufkommen erhöhen.

Die Auswirkungen der Geldnutzungssteuer

Die Vorteile der Einführung dieser Steuer sind besonders vielfältig und bedeutsam. Denn mit der Verstetigung des Geldumlaufs würden die Notenbanken zum ersten Mal in die Lage versetzt, das Geldgeschehen über Korrekturen der Geldmenge wirklich zu steuern. Als Folge würden Wirtschaft und Konjunktur nicht mehr durch ein Zuviel oder Zuwenig an Geld verunsichert und gestört. Vor allem brauchen die Notenbanken kein zurückgehaltenes Geld mehr mit zusätzlich gedrucktem auszugleichen, was heute nach ein bis zwei Jahren jeweils einen neuen Inflationsschub auslöst und über steigende Zinsen zu einem Konjunktureinbruch führt. Ebenfalls könnten die nochgefährlicheren deflationären Entwicklungen vermieden werden.

Das heisst, mit Hilfe der Geldnutzungssteuer könnte die Geldkaufkraft endlich stabil gehalten werden, wie das der Verpflichtung des Staates gegenüber der Währung und den Bürgern entspricht. Wenn man bedenkt, dass die Stabilität der Gesellschaft von der Stabilität der Wirtschaft abhängt und diese wiederum von der des Geldes, wird die Wichtigkeit der vorgeschlagenen Massnahmen nachvollziehbar.

Auswirkungen der Geldsteuer auf die Zinsen

Aufgrund seiner Eigenschaften als liquides Gut und universell einsetzbares Zahlungsmittel, ist das Geld heute allen anderen Gütern und der Arbeit überlegen. Denn während diese durch sonst eintretende Verluste zum Angebot auf dem Markt gezwungen sind, kann das Geld warten. Der Geldverleiher gibt darum heute überschüssiges Geld nur dann aus der Hand, wenn ihm der Geldleiher neben einem sachlich gerechtfertigten Risiko- und Inflationsausgleich -für die Freigabe eine Belohnung zahlt, die so genannte Liquiditätsprämie, die im Zins enthalten ist. Dieser im Kreditzins enthaltene Knappheitsaufschlag ist so lange gerechtfertigt, wie Geld bzw. Geldersparnisse in einer Volkswirtschaft tatsächlich knapp sind.

Mit der Überwindung der Knappheit müsste der Zins jedoch wie die Knappheitsgewinne an den Gütermärkten- gegen Null heruntergehen. Da Geld jedoch -im Gegensatz zu Gütern und der Arbeit keine Lagerkosten verursacht, kann es bei zu niedrigen Zinsen zurückgehalten werden. Das heisst, sinkt der Zins auf eine Marke, die unter den Erwartungen der Geldüberschuss-besitzer liegt, werden ihre Wiederausleihungen zögerlicher bzw. man parkt die überschüssige Kaufkraft auf Sichtguthaben (Girokonten) oder sogar in Bargeldbeständen.

Mit der Geldnutzungssteuer, die auf liquide Bestände (zurückgehaltenes Geld) erhoben wird, würde eine solche Geldzurückhaltung jedoch mit Kosten verbunden. Unter dem Druck dieser Kosten würde man sein Geld auch bei geringeren Zinsen ausleihen. Auf diese Weise würde dem Geld seine heutige Überlegenheit am Markt genommen werden und die Zinspreisbildung -wie bei allen anderen Preisbildungen- ungestört durch Angebot und Nachfrage erfolgen können.

Die sozialen und ökologischen Folgen einer Zinsabsenkung

Mit dem marktgerechten Absinken der Zinsen würden sich auch die heutigen zinsbedingten Einkommensumschichtungen von der Arbeit zum Besitz nach und nach abbauen. Damit ginge die Polarisierung zwischen Arm und Reich zurück, die unter den gegebenen Verhältnissen zu immer grösseren sozialen Spannungen in der Gesellschaft führen muss. Da die heute ständig wachsenden Zinsströme nur aus der Wirtschaftsleistung zu bedienen sind, besteht ein ständiger Zwang zum Wirtschaftswachstum. Deshalb versucht man allerorten selbst solche Produktionen zu forcieren, die nicht den wirklichen Bedürfnissen der Menschen und ihrer Nachfrage entsprechen und die den Verbrauchern nur mit immer grösserem Werbeaufwand aufsuggeriert werden können.

Diese heute üblichen und ständig wachsenden Belohnungen der Nichtsleistenden über Zins und Bodenrenten widersprechen nicht nur der Auffassung von einer Leistungsgesellschaft, sie widersprechen auch unserem Grundgesetz.